From Green to Gold

Mühlviertels nachwachsende Ressourcen und Rohstoffe

Projekt: Green Skills & Qualifizierung als Grundlage zukunftsfähiger Green Jobs in der Region Mühlviertel – Südböhmen

Diagnostic Framing

Fragen des Klimawandels, einer umweltverträglichen und bezahlbaren Energieversorgung und Mobilität, einer wachsenden Ressourcenverknappung, des demografischen Wandels und des Rückgangs an gesellschaftlicher Integration gebieten es, jetzt verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, um den bereits erreichten wirtschaftlichen und sozialen Lebensstandard der Menschen zu bewahren und die notwendige Entwicklung und Verbesserung der Lebensverhältnisse voranzubringen.

Ressourcenverknappung & Nutzungskonkurrenzen

Gerade Industriestandorte wie Oberösterreich geraten wirtschaftlich unter Druck, wenn die nachhaltige Versorgung mit Rohstoffen nicht mehr gewährleistet ist. Mit dieser Ressourcenverknappung nehmen Nutzungskonkurrenzen – auch zur Lebensmittelproduktion – zu. Die daher zwingend erforderliche weitgehende Reduzierung von Treibhausgasemissionen sowie die Verbesserung in den Bereichen des Ressourcenschutzes und -effizienz stellen für unsere Wirtschafts- und Lebensweise eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen dar. Würde man den heutigen Ressourcenverbrauch in die Zukunft projizieren, wären 2050 fünf Exemplare des Planeten Erde nötig, um den Rohstoffbedarf der Menschheit zu decken.

Steigerung von Energie- und Rohstoffeffizienz

Nur durch eine außerordentliche Steigerung von Energie- und Rohstoffeffizienz können die sichere Versorgung mit Energie und Rohstoffen sowie die Treibhausgase um den notwendigen Faktor 10 (90 % Verbrauchsreduzierung) reduziert werden. Dies ist notwendig um die Zunahme der globalen Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf unter zwei Grad zu beschränken. Dazu bedarf es einer gleichzeitigen Mobilisierung und Ausschöpfung der Energieeffizienzpotentiale und Verbesserung der Rohstoff- und Materialeffizienz. Andernfalls führt die Verknappung von Energie und Rohstoffen zu Preisschwankungen, und zu einer nachhaltigen und destraströsen Schädigung der Wirtschaft und Gesellschaft. 

 

Um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu sein oder zu bleiben, müssen vermeidbare Kosten verringert werden.

Im verarbeitenden Gewerbe stellt der Materialverbrauch mit durchschnittlich 42% des gesamten Produktionswertes den größten Kostenblock dar. Vor dem Hintergrund knapper werdender Rohstoffe, bei gleichzeitig steigenden Nachfrage nach diesen, wird sich die Preisentwicklung der letzten Jahre mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kostensituation fortsetzen.

Die deutsche Materialeffizienzagentur berechnet, dass das verarbeitende Gewerbe etwa 20% ihres Materialeinsatzes einsparen kann.

Dazu ist aber einer integrierte Betrachtung vom Ressourcen- und Rohstoffabbau, der ökoeffizienten Produktgestaltung- und -herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung – d.h. den gesamten „ökologischen Rucksack“ umfassen. Hierzu bedarf es aber auch eines Wechsel vom einem Linearen Lebenszyklus-Modell (Abbau- Herstellung-Konsum-Entsorgung) zu einem geschlossenen (closed-loop)-Prozess.

Regionale Performance- und Lern-Felder

Folgende regionale Performance-Felder wurden bisher identifiziert.

LC+Lernfelder

Green Awarness. Die Grüne Transformation als Chance

Ressourcenpptimierungsstrategien orientieren sich meist an Einzelprozessen oder einzelnen Unternehmen. Weit geringer ausgeprägt sind Optimierungen über Unternehmensgrenzen hinweg.

  • Es wird zunehmend zu einem ökonomischen Faktor neben den eigenen Prozessen und Kosten auch den Blick auf die Wertschöpfungskette und den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen zu richten. Die Risiken auf anderen Wertschöpfungsstufen können schnell zu eigenen werden.
  • Eine integrierende Optimierung, bei der auch gezielt die vor- und nachgelagerten Prozesse vom Ressourcen- und Rohstoffabbau,der ökoeffizienten Produktgestaltung  über  zur Entsorgung – d. H. die „ökologischen Rucksäcke“ – berücksichtigt werden, kann jedoch deutlich höhere Potenziale erschließen, denn bei einer Optimierung von Einzelprozessen werden häufig negative Rückwirkungen auf vor- oder nachgelagerte Prozesse vernachlässigt und damit Ressourcen verschwendet. Nur eine wertschöpfungskettenweite Optimierung kann sicherstellen, dass eine auf das Produkt oder Dienstleistung bezogen bestmögliche Ressourcennutzung erreicht wird.
  • Ein Beispiel, das dies veranschaulicht, sind Gebäude. Sowohl bei Wohn- als auch bei Bürogebäuden treten in der Herstellung, der Bauphase und in der Nutzungsphase erhebliche Ressourcenverbräuche auf. In der Bauphase sind es vor allem die eingesetzten Baustoffe und in der Nutzung vor allem die benötigte Heizenergie. Würde man nur die Bauphase optimieren, würde man die Wärmedämmung deutlich reduzieren oder ganz weglassen. Die Folge wäre ein stark erhöhter Heizenergiebedarf. Will man diesen minimieren, muss man in der Bauphase mehr investieren und mehr Ressourcen einsetzen. Welcher Wärmedämmungsumfang ideal ist, ergibt sich aus einer Betrachtung des gesamten Lebensweges.

Diese integrierte Betrachtung muss vom Ressourcen- und Rohstoffabbau, der ökoeffizienten Produktgestaltung- und -herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung – d.h. den gesamten „ökologischen Rucksack“ umfassen. Hierzu bedarf es aber auch eines Wechsel vom einem Linearen Lebenszyklus-Modell (Abbau-Herstellung-Konsum-Entsorgung) zu einem geschlossenen (closed-loop)-Prozess. (Cradel-to-cradel). Folgende Ansätze werden in einem solchen Modell verfolgt.

Lernfelder

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From Green to Gold: Mühlviertels nachwachsende Ressourcen und Rohstoffe

Oberösterreich hat sich bezüglich des Ausbaus der Erzeugung erneuerbarer Energien sowie hinsichtlich der Nutzung nachwachsender Rohstoffe – insbesondere im Kontext des Klimaschutzes sowie der Ressourcenschonung – anspruchsvolle Ziele gesetzt. Da Biomasse als einziger erneuerbarer Energieträger zu allen Energiebereichen (Strom, Wärme, Kraftstoff) einen Beitrag leisten kann und darüber hinaus auch als Rohstoff im Rahmen stofflicher Nutzungsketten (z. B. Bodensubstrate, Holzwerkstoffe, Chemie) anwendbar ist, spielt sie eine Schlüsselrolle. Bereits heute werden 14% der Energiebereitstellung in Oberösterreich aus Biomasse erzeugt und ist somit neben der Wasserkraft bereits die wichtigste Ressource.

  • Jedoch löst diese drastische Steigerung der Nachfrage nach Bioenergieträgern aus Anbaubiomasse auf den internationalen wie heimischen Agrar- und Holzmärkten Nutzungskonkurrenzen aus, welche die globale und regionale Landnutzung verändern. Kurzfristige Konsequenzen, allen voran Preisschwankungen und -steigerungen von Nahrungs- und Futtermitteln und Energieträgern, treten infolge akuter Knappheit auf. Mittel- und längerfristig wird sich eine Anpassung der globalen land- und forstwirtschaftlichen Produktion an die veränderten Nachfrage- und Handelsmuster sehr wahrscheinlich vielfach negativ auswirken. Dies kann beispielsweise in Form des Verlusts von Arten- und Habitatvielfalt durch Konversion oder Eutrophierung von Ökosystemen, der Zerstörung der für die Klimaregulation wichtigen Kohlenstoffsenkensysteme wie Moorböden und Wälder geschehen.
  • Gerade die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe leistet einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, zur Einsparung fossiler Ressourcen, zur Verbreiterung der heimischen Rohstoffbasis und zur Stärkung ländlicher Räume. Neben der regionalen Bauwirtschaft ist auch die chemische Industrie ist bei der Produktion organischer Verbindungen auf kohlenstoffhaltige Rohstoffquellen angewiesen. Nachwachsende Rohstoffe bilden die einzige erneuerbare Kohlenstoffquelle.
  • Die Auswertung neuerer Studien zu den wirtschaftlichen Effekten nachwachsender Rohstoffe haben gezeigt, dass das Potenzial der stofflichen Nutzung für Beschäftigung und Wertschöpfung signifikant höher liegt als bei der energetischen Nutzung und zwar um etwa den Faktor 5 bis 10 (bei den direkten Bruttoarbeitsplätzen), bzw. 4 bis 9 (bei der Wertschöpfung) – jeweils bezogen auf den selben Stoffstrom (Masse) bzw. der selben Anbaufläche. Der Grund hierfür liegt bei den deutlich komplexeren und längeren Wertschöpfungsketten der stofflichen Nutzung.

Nutzungskonkurrenzen und -konflikte treten somit grundsätzlich durch die steigende Nachfrage nach biogenen Rohstoffen und zwischen unterschiedlichen, in Teilbereichen neu hinzukommenden Sektoren auf. Konkurrieren die stoffliche und energetische Nutzung von Biomasse einerseits mit dem Bereich Nahrungs- und Futtermittel, so tun sie dies andererseits auch untereinander. Die Flächenkonkurrenz zwischen energetischen oder stofflichen Nutzungen von Biomasse nimmt demnach zu.

  • Während es im Energiebereich mit erneuerbaren Energien wie Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft und Geothermie viele Alternativen gibt, wird die Situation bei der Rohstoffversorgung der Industrie prekärer. Sonne, Wind und Wasser liefern Energie, aber keine Materie und keine Rohstoffe für die (werk)stoffliche Nutzung. Daher sollte grundsätzlich die begrenzt verfügbare Biomasse so effizient wie möglich genutzt werden und Flächenkonkurrenzen, Marktverzerrungen und Ressourcenfehlallokationen unter dem Blickwinkel des Ressourcen- und Klimaschutzes reduziert und vermieden werden.

Daher muss die vorhandene Biomasse mehrfach und hoch effizient genutzt werden, um die erforderlichen Nachhaltigkeitsziele optimal zu erreichen. Das Motto muss „Erst stofflich, dann energetisch nutzen – verbrennen kann man nur einmal!“ lauten. Anstelle des heute vorherrschenden Anbaus von Biomasse zur direkten Umwandlung in Bioenergie sollte daher künftig eine Nutzungskaskade etabliert werden, d.h. erst nach einer Mehrfachnutzung werden die Abfall- und Reststoffe für die Energiegewinnung eingesetzt.

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Lernfelder

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Bodenschutz und Biodiversität: Nachhaltige Landwirtschaft im Spiegel lokaler und globaler Erfordernisse

Aspekte wie der Klimawandel, der Verlust der Artenvielfalt, Bodenerosion und Flächenverbrauch, die Produktion von Abfällen oder die Luftverschmutzung sind nur einige Beispiele, die auf die zunehmende Entnahme und Produktion, den Transport und den Konsum von natürlichen Ressourcen zurückzuführen sind. Um die negativen Umwelteffekte einzudämmen sind nicht nur Strategien notwendig die erneuerbare Ressourcen forcieren und die Nutzung von nicht erneuerbaren Ressourcen zurückdrängen sonderen es müssen auch die vorhanden Ressourcen geschützt werden.

Die Ressource Boden bildet die Grundlage für die Produktion gesunder Nahrungs- und Futtermittel sowie vermehrt auch für nachwachsende Rohstoffe (NAWARO).

  • Die zentralen Bodeneigenschaften Humus, Bodenart und die Bodenstruktur prägen neben den klimatischen Größen die natürliche Bodenfruchtbarkeit. Zusammen mit der jeweiligen Bewirtschaftungsweise resultieren daraus gute oder weniger gute Wachstumsbedingungen für Pflanzen. In der modernen Landwirtschaft werden Wachstumsbedingungen durch verschiedene Maßnahmen beeinflusst, die eine Steigerung der Erträge bewirken. Sie verändern aber die natürlichen Bodeneigenschaften nicht immer nur positiv. Auf Grund der Zufuhr von Düngemitteln, der maschinellen Bodenbearbeitung, des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und mancherorts der Aufgabe einer dreigliedrigen Fruchtfolge können Böden langfristig ihre natürliche Ertragsfähigkeit und ihre Eignung für wichtige Aufgaben im Naturhaushalt verlieren. Die Sicherung der natürlichen Ertragsfähigkeit des Bodens durch eine angepasste und standortgerechte Bewirtschaftung ist eine der Hauptaufgaben im Bodenschutz, damit auch für zukünftige Generationen die Ernährungsgrundlage gesichert ist.
  • Eine unsachgemäße Bodennutzung ergibt sich oftmals aus wirtschaftlichen Erwägungen und resultiert in einer Vielzahl von Veränderungen. Die Vergrößerung und Zusammenlegung von Ackerschlägen hat eine Verlängerung der Fließstrecken bewirkt und den Verlust schützender Hecken und Bankette (Ackerrandstreifen). Die großflächige Dränung bedeutet eine Herabsetzung der Bodenfeuchte und damit eine schlechtere Versickerung von auftreffendem Niederschlagswasser oder der Begünstigung einer Ausblasung durch Wind. Insbesondere die Fruchtfolgen und der Wechsel zu mehr erosionsanfälligen Kulturen wie Mais und Zuckerrübe leisten der Erosion zusätzlichen Vorschub. Bei diesen Feldfrüchten fällt eine geringe Bodenbedeckung mit dem Auftreten von Sommergewittern und Starkregenereignissen zusammen.
  • Um den Klimawandel zu bremsen wurde neben anderen erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) der Anbau nachwachsender Rohstoffe (NaWaRo) zur energetischen Nutzung vielerorts gefördert. Diese Strategie, die für die Erhaltung des Klimas und der Sicherung des Einkommens für die Landwirtschaft sorgte, muss nicht nur in Hinblick auf Nutzungskonflikte (Teller vs. Tank vs. Trog) sondern auch in Bezug auf die Risiken für die Böden reflektiert werden. Bisher werden in hauptsächlich gut eingeführte, sogenannte Hackfrüchte wie Raps, Mais oder Zuckerrüben als NaWaRo angebaut. Diese Kulturen wirken sich negativ auf die Humusbilanz aus, das heißt, dass der Humusgehalt der Böden sinkt, sofern er nicht durch den Anbau humusmehrender Kulturen wie Ackergras, Zwischenfrüchten oder durch organische Düngung ausgeglichen wird. Eine deutliche Ausweitung ihres Anteils in der Fruchtfolge würde den für viele Bodenfunktionen notwenigen Gehalt an Humus vermindern, insbesondere wenn, um möglichst viel Biomasse zu ernten, der gesamte Aufwuchs vom Feld entfernt wird. Auch erhöhen Hackfrüchte das Risiko von Erosion, weil sie eine langsame Jugendentwicklung haben und den Boden im Frühjahr längere Zeit ungeschützt lassen.
  • Durch Zuspitzung der Klimaproblematik sowie teurer und knapper werdender fossiler Ressourcen tritt im Gegensatz zur energetischen die stoffliche Nutzung zunehmend in den Vordergrund und die Land- und Forstwirtschaft gilt als wichtiger Rohstofflieferant für den Ersatz für fossile Ressourcen für die Industrie.

Darüber hinaus sind die zusätzlichen Aufgaben – die im Hinblick auf formulierte politischen Ziele – auf die Ressource Boden zukommen enorm, wie etwa im Bezug auf Ausbau Erneuerbarer Energie, zusätzlicher Kohlenstoffsenken, Schadstofffilter, Wasserschutz.

Lernfelder

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Nachhaltige Ernährung: Lebensmittel und nachhaltige Landwirtschaft

Wenngleich sich die durch Landwirtschaft und Ernährung verursachten Stoffströme von Region zu Region z.T. erheblich unterscheiden, so ist vor dem Hintergrund des weiteren Anstiegs der Weltbevölkerung (2050 wird mit ca. neun Milliarden Menschen gerechnet) mit einem weiter ansteigenden Bedarf an Lebensmitteln und damit notgedrungen auch der Bedarf an Anbaufläche zu rechnen.

  • Bis zum Jahr 2050 werden doppelt so viele Nahrungsmittel wie heute benötigt, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Die für die Verknappung von Industrierohstoffen dargestellten Ursachen und Problemlagen gelten im Wesentlichen genauso für den Bereich der Lebensmittelproduktion. Weltweit wird es zunehmend schwerer, die Versorgung der Menschen mit gesunden Lebensmitteln sicherzustellen. Wachsende Nutzungskonkurrenzen zu urbanen Flächen, Abbauflächen für anorganische Rohstoffe, Anbauflächen für nachwachsende Rohstoffe, Bodendegradation und Desertifikation werden es in Verbindung mit veränderten Ernährungsstilen in den aufsteigenden Schwellen- und Entwicklungsländern zunehmend schwerer machen, eine wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren. Mit der Beseitigung von CO2-Senken drohen sie zugleich den Klimawandel zu forcieren.

Nachhaltige Ernährung bezieht das gesamte Ernährungssystem ein, von der Erzeugung, Verarbeitung, Verpackung, Transport und Handel über Einkauf, Zubereitung und Verzehr der Lebensmittel bis zur Abfallentsorgung.

  • Eine Ernährungsumstellung auf vorrangig pflanzliche, saisonale und regionale Produkte sowie die Reduzierung des Fleischkonsums, wird vielfältige positive Effekte haben (Gesundheit, Energie, Umwelt, Fläche). Unverarbeitetes Gemüse und Obst kann in der jeweiligen Saison mit relativ geringem Energieaufwand erzeugt werden. Verarbeitung, Transport und Lagerung von Lebensmitteln gehen dagegen in der Regel mit einem höheren Ressourceneinsatz bzw. Ressourcenverbrauch einher (z. B. Treibhausgase, Pflanzenschutzmittel, Energie, Wasser, Verpackungsmaterial).
  • Vor dem Hintergrund der steil anwachsenden Nahrungsnachfrage und der Notwendigkeit von Mengen- und Effizienzsteigerungen in der primären Agrarproduktion ist es dringend geboten, die Potenziale zur Verringerung von Nahrungsverlusten und Nahrungsverschwendung zu nutzen. Dafür gibt es bereits effiziente Lösungen entlang der gesamten Nahrungskette. Die zu ergreifenden Maßnahmen sind in Entwicklungs- und Industrieländern und den jeweiligen Handlungsebenen unterschiedlich. Obwohl die signifikantesten Lösungsansätze eher in der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln liegen, nehmen Konsumenten immensen Einfluss durch ihren Nahrungsmitteleinkauf, die Art der Lagerung und Zubereitung sowie die Menge an Abfall, die sie produzieren. Laut einer aktuellen Studie des britischen IMechE-Instituts werden jährliche rund vier Milliarden Tonnen Lebensmittel produziert – doch bis zu 50 Prozent davon werden nie gegessen. Es haben aber nicht nur die Menge des vergeudeten Essens längst alarmierende Ausmaße angenommen, sondern auch die damit einhergehende Wasser- und Energieverschwendung. Die Studie „Global Food. Waste Not, Want Not“ , besagt, dass zudem bis zu 550 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Produktion von Lebensmitteln aufgehen, die niemals gegessen werden.

Aus den dargestellten Gründen wird das Bedarfsfeld Ernährung als besonders relevant für eine Untersuchung der Ressourcenproduktivität und eine Ermittlung von Verbesserungspotenzialen gesehen.

Lernfelder

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Ökologisches Bauen: Ressourceneffiziente Gebäude

Der Bausektor im Allgemeinen weist derzeit zwei wesentliche widersprüchliche Merkmale auf. Zum einen bringt die andauernde Krise Risiken vor allem für Klein- und Mittelbetriebe mit sich, zum anderen zeichnen sich alternative Möglichkeiten im Bereich Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Umweltschutz mit einem enormen Innovations- und Neupositionierungspotenzial ab.

  • Nachhaltiges Bauen ist von zentraler Bedeutung für den Umweltschutz. Der Gebäudebereich/Baubestand verschlingt 42% des Endenergieverbrauchs in der EU und ist etwa für 35% der Treibhausgasemissionen  und 25% Abfallaufkommen verantwortlich und stellt  daher ein wesentliches Potential zur Einsparung von Energie und Reduktion von Treibhausgasen dar. Die Reduzierungsmaßnahmen gehen zwangsläufig in Richtung grünes Bauen, wobei dies größtenteils mit geringfügigen Änderungen und mit einem annehmbaren „Pay-back“ des Mittel- und Kostenaufwands verbunden ist.

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  • Die Bautätigkeit löst ebenfalls enorme abfallwirtschaftliche Prozesse aus: Abfälle aus dem Bauwesen sind in Oberösterreich eine der größten Abfallfraktionen. Pro Jahr werden circa 1 Mio. t generiert. Für das Jahr 2020 ist eine Verwertungsquote von mindestens 70 Prozent für Baurestmassen vorgesehen (EU-Abfallrahmenrichtlinie). Heute liegt die Verwertungsquote von Baurestmassen in Oberösterreich zwischen 30 und 60 Prozent.

Im Großen und Ganzen entstehen durch die Entwicklung des grünen Bauens keine von Grund auf neuen Berufsbilder und Betriebe (ausgenommen der Bereich der erneuerbaren Energien). Vielmehr passen sich bestehende Berufsbilder (Techniker, Verkaufspersonal, Arbeiter) dem Trend an. Daher ist es schwierig, von ausschließlich nachhaltigen Betrieben, Projekten, Baustellen oder Materialien zu sprechen, zumal der Markt sich nur langsam entwickelt und noch große Widersprüche aufweist.

  • Man denke beispielsweise an energieeffiziente Dämmstoffe, die jedoch aus Industrieprozessen mit sehr hohem Energieverbrauch gewonnen werden oder aus Plastik oder Kohlenwasserstoffderivaten (Polystyrol, Polyurethan usw.) bestehen. Nachhaltigkeit ist immer noch auf spezifische Projekte, Gebäude, Materialien oder bestimmte Gebiete bezogen (Gebiete mit spezieller Ausrichtung auf Nachhaltigkeit wie Vorarlberg oder „mustergültige“ Gemeinden mit einer auf Energieeffizienz und biologisches Bauen ausgerichteten Bauordnung).
  • Diese „langsame Revolution“ ist auch darauf zurückzuführen, dass vielfach keine grundlegenden Veränderungen der Produktions- und Bauweise notwendig sind. Einige bedeutende Ergebnisse lassen sich bereits durch geringfügige technologische Neuerungen (bspw. Dämm- und Baustoffe aus nachwachsenden Ressourcen)  und gesunden Menschenverstand bei der Planung und Ausführung erzielen.

Der heutige Baubestand birgt enorme Möglichkeiten, wie etwa das so genannte energetische „Retrofitting“ (aufwertende Sanierung von Gebäuden zur Gewährleistung einer annehmbaren Energieeffizienzklasse). Auch stehen laut dem McKinsey Global Institute vier der fünf Bereiche, in welchen eine Verringerung der Emissionen – auch in wirtschaftlicher Hinsicht – erzielt werden kann, mit dem Bauen in Verbindung: Beleuchtung, Dämmung, Luftkühlung und Wassererwärmung, wo durch den Einsatz innovativer und nachhaltiger Technologie der Energieverbrauch um 80% gegenüber herkömmlichen Bauweisen reduziert werden kann.

Im Bauwesen können keine klare Abgrenzung zwischen „grünen“ und „traditionellen“ Berufsbildern, Tätigkeiten, Baustellen, Projekten usw. gemacht werden. Vielmehr handelt es sich um ein Szenario, das sich langsam aber sicher in Richtung Nachhaltigkeit wandelt.

  • Diese Entwicklung ist auf die steigenden Anforderungen der Bauherren, die Notwendigkeit des Energiesparens, die gesetzlichen Vorschriften, die öffentlichen Fördermaßnahmen und die Entscheidung für nachhaltige Lösungen vonseiten der Produzenten zurückzuführen, wodurch Innovation und Möglichkeiten zur Bewältigung der ökologischen Transformation gefördert werden.

Im Zuge des derzeitigen Trends sind keine von Grund auf neuen grünen Berufsbilder entstanden. Vielmehr spezialisieren sich die im Bausektor Tätigen in diesem Bereich, erweitern ihre Kompetenzen oder stellen ihre Tätigkeit auf nachhaltiges Bauen um. Hier einige Beispiele:

  • Hersteller von Elektroanlagen (Bau und Industrie), die über 50% des Umsatzes mit Fotovoltaiksystemen bestreiten;
  • Planer (Ingenieure, Sachverständige im Bereich Thermotechnik), die energieeffiziente, in Gebäudeteile integrierte Lösungen ausarbeiten;
  • Architekten, die in der Planung auf eine hohe Wärmedämmung setzen und bei den Vergabebedingungen auf umweltschonende Materialien und gesunden Wohnkomfort achten (auch bei der Herstellung – „graue Energie); # Vertreiber und Händler von Materialen, die in einigen Anwendungsbereichen ausschließlich natürliche Baumaterialien anbieten;
  • Baufirmen, die im Auftrag oder selbständig als Immobilienmakler tätig sind, und sich hinsichtlich neuer Bautechniken und Materialien weiterbilden (in einigen Fällen müssen die Arbeiter über eine entsprechende Ausbildung verfügen).

Lernfelder

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Energieeffiziente Gebäudetechnik

Gebäude sind heute Energieverbraucher. Die Schaffung eines angenehmen Raumklimas, die Beleuchtung und die Gebäudenutzung bedingen einen – je nach Gebäudestandard unterschiedlich hohen – Verbrauch an Strom und sonstigen, meist fossilen Energieträgern. In der Zukunft können Gebäude zu Netto-Energieerzeugern werden, indem lokal regenerative Energien genutzt und auftretende Überschüsse ins Netz eingespeist werden. Bei Gebäuden mit einem sehr hohen Energiestandard und entsprechend niedrigem Verbrauch kann im jahreszeitlichen Mittel eine positive Bilanz erzielt werden. Derartige Gebäude sind bereits heute in Betrieb, allerdings handelt es sich bislang noch um wenige Pilotobjekte.

Lernfelder

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Grundlagen

Das Interreg-Projekt basiert auf den Erkenntnissen der Öko-Wirtschaftsstudie Oberösterreich (2011) und geht von folgenden begrifflichen Definitionen und Grundlagen aus.

Die Öko-Wirtschaftsstudie Oberösterreich

Der Forschungsfokus und -auftrag der  Studie “Innovations- und Qualifikationsanforderungen im Bereich der Öko-Technologien&Wirtschaft&Politik in Oberösterreich”  (2011; AuftraggeberInnen: AMS OÖ, Land OÖ – Wirtschaftsressort, Land OÖ – Umweltressort)lag neben einer Erfassung der regionalwirtschaftlichen Folgen und Auswirkungen der Klima-, Energie und Rohstoffkrise und der Analyse der Branchen- Beschäftigungs-, Berufsstruktur und Qualifikationsbedarfe der Öko-Wirtschaft in OÖ, auf der Bestimmung von innovations- und wachstumsförderlichen Rahmenbedingungen und Strategien.

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Die gesamte Studie ist unter http://www.liqua.net/ibr/?page_id=943 abrufbar.

Green Economy

Die Green Economy ist eine heterogene Gruppe a) aus Produzenten von öko-effizienten & -konsistenten Gütern, Produkten und Technologien, b) aus Bereitsteller von Dienstleistungen, die Umweltschäden und den Ressourcenverbrauch weitgehend vermeiden, vermindern, behandeln, messen sowie untersuchen und c) die sich über alle Stufen der Wertschöpfungskette und somit über diverse Wirtschafts-, Umwelt-, Lebens- und Themenbereiche erstreckt.

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Als „Green Economy“ gilt eine Wirtschaft die auf Verringerung der Umweltrisiken & Aufwertung der Ökosysteme und die menschliche Wohlfahrt & soziale Gleichheit ausgerichtet ist. Sie bezieht sich somit auf Wirtschaftsbereiche (z.B. Energie), Themen (z.B. Umweltverschmutzung), Grundsätze (z.B. Gleichheit), Politik- Leitlinien (z.B. Beschäftigungs-,Sozial-, Umwelt- und Innovationspolitik), Strategien (z.B. Entkopplung) und unterstützende ökonomische Strukturen (Umweltschutztechnologie).

Green Jobs

Green Jobs umfassen alle Tätigkeiten, die dazu beitragen, a) Energie zu sparen, b) erneuerbare Energien zu verwenden, c) natürliche Ressourcen und das Ökosystem zu schonen, d) die biologische Vielfalt zu erhalten, e) Abfall und Luftverschmutzung zu vermeiden sowie f) den ökologischen Fußabdruck zu verringern. (EP 2011)

Green Skills

Die Green Economy bedarf nicht der Entwicklung völlig neuer berufsbezogener Qualifikationen, notwendig hingegen ist vielmehr

  • die Aufstockung bzw. die Weiterqualifizierung bereits vorhandener Qualifikationen.
  • die Stärkung fach- und berufsübergreifender Kompetenzen.
  • die Vermittlung von entsprechenden Werten und Einstellung die Beschäftigte mit bringen müssen, um ökologische, soziale und ökonomische Technologien, Produkte und Dienstleistungen hervorbringen zu können. (vgl. ippr 2009, CEDEFOP 2010, COAG 2009, LIquA 2011)

Diese zu vermittelnden Fertigkeiten und Kompetenzen können als Green Skills oder als “Skills für Nachhaltigkeit” bzw. “Skills für nachhaltiges Wirtschaften” verstanden werden.

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Aufgrund der Tatsache, dass früher oder später an nahezu allen Arbeitsplätzen “Green Skills”, gefragt sein werden (vergleichbar mit der IT-Kompetenz), trifft das auf beinahe alle Berufsgruppen zu. In Zukunft wird jeder Job ein grüner Job sein.

Die notwendige Reduzierung des CO2- Ausstoßes macht eine so drastische Wende in Richtung Energie- und Ressourceneffizienz sowie Emissionsvermeidung erforderlich, dass davon alle Berufe, ja alle menschlichen Tätigkeiten betroffen sein werden. Das kann nur heißen, dass alles menschliche Handeln, in den Berufen wie bei den Freizeitaktivitäten, in Zukunft sehr genau auf die Umweltwirkung geprüft werden und angepasst werden muss. Auch wenn es spezialisierte Green Jobs braucht um die Innovation anzukurbeln und die Entwicklung hin auf eine emissionsarme und nachhaltige Art des Wirtschaftens voranzutreiben, wird in Zukunft von allen Menschen ein viel tieferes Verständnis über die Produktion von Energie, den Verbrauch von Energie und Ressourcen und die damit verursachten Emissionen notwendig sein.

Um die Herausforderungen zu bewältigen, dem quantitativen und qualitativen Fachkräfte- und Qualifizierungsbedarf der Öko-Wirtschaft gerecht zu werden und einen Fachkräftemangel abwehren zu können, ist eine integrierte  Bildungsstrategie erforderlich.

Green Education: Transformative Bildung

Eine nachhaltige Entwicklung ist ohne Bildung nicht denkbar, denn sie setzt umfassende Verhaltensveränderung und das Vorhandensein adäquater Schlüsselkompetenzen voraus. In diesem Sinne kann der Erwerb von Gestaltungs- und Veränderungskompetenzen als das wesentliche Lernziele angesehen werden.

Dies hat Einfluss auf die pädagogische Arbeit und stellen Anforderungen an Lehr- und Lernprozessen, die mit der Vermittlung fachlichen Wissens in den herkömmlichen Formen von schulischem Unterricht, beruflicher Ausbildung, akademischer Lehre und allgemeiner Weiterbildung nicht ohne weiteres zu erfüllen sind. Die Vermittlung von Green Skills (= Green Qualification & Education) erfordert eine curriculare Öffnung:

  • Anpassungs- und Resilienzlernen
  • Lebens- und praxisnahes Lernen: aktivierende, interdisziplinäre und praxisnahe Lernformen, Verzahnung von arbeits-, umwelt- und lebens-weltbezogener Lerninhalte
  • selbstorganisiertes & projektorientiertes Lernen: Projektarbeit, Erkundungen, Formen der Freiarbeit, Methoden spielerischen Lernens, Rollen- und Planspiele, szenisches Spiel, E- und Blended-Learning, …)
  • Vernetzendes & kollaboratives & kooperatives Lernen: Kooperations- & und Partizipationsorientierung & Empowermentorientierung, Eröffnen von Teilhabe- und Mitgestaltungsmöglichkeiten
  • Lernen mit und durch neuen Medien und Technologien
  • neuer Lernkulturen: Visionsorientierung, partizipative Lernprozessgestaltung, Öffnung der Lernprozesse nach innen und außen, selbstorganisierte und handlungsorientierte Lernformen,…
  • Aufzeigen neuer bzw. alternativer Handlungsmöglichkeiten und deren Nachhaltigkeitsrelevanz
Green Region

Als ein weiterer Bereich muß auch die Entwicklung der Region in den Mittelpunkt gerückt werden. Immer noch orientiert die vorherrschende Regionalpolitik auf eine Wirtschaftsentwicklung, die in erster Linie auf Impulse und Investitionen von und nach außen setzt.

Demgegenüber können auch die dezentrale Erzeugung erneuerbarer Energien, Umweltinvestitionen, Steuerungsmaßnahmen zur Pflege, Nutzung und der Erhalt der kultur- und Umweltlandschaft, die Akteure, die am Aufbau und Erhalt des Gemeinwesens und der sozialen Infrastruktur arbeiten, wichtige Impulse für die regionale Wirtschaftsentwicklung geben.

Dazu ist insbesondere eine enge Verknüpfung und Kooperation der Bildungseinrichtungen und der vielfältigen formellen und informellen Lernprozesse mit anderen regionalen Elementen wie Betrieben, politischer Verwaltung und Kunst und Kultur notwendig. Dieser Ansatz wirkt sich auf mehreren Ebenen aus. Neben der beruflichen Qualifizierung und dem regionalen Arbeitsmarkt werden genauso die allgemein bildenden Bedürfnisse vor Ort aber auch kulturelle und soziale Bildung angesprochen. Damit wird die Attraktivität des Lebensraumes und Standortes sowie deren Entwicklungspotenziale gefördert. (vgl. Fassmann 2010, vgl. Lechner 2008)

Weiterführende Informationen

FördergeberInnen:

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